Immer noch da

Lebenszeichen von der Roten Insel

Schwuler geht’s nicht

Es ist nicht irgendein Krebs und darüber möchte man(n) eigentlich gar nicht reden oder schreiben, denn es berührt die Intimsphäre auf ganz besondere Weise. Mein Krebs ist das schwule Pendant zum Gebärmutterhalskrebs, ausgelöst durch HPV – also durch Sex. Mein Tumor sitzt im Analkanal, was viel über meine sexuelle Präferenzen verrät. Hätte ich mal mit 20 besser aufgepasst, dann hätte ich mir sechs Jahre später drei schmerzhafte OPs erspart. Aber als Kind aus der Provinz wußte ich es nicht besser – im Gegensatz zu HIV/AIDS und den Regeln zu Safer Sex.
HPV ist um vieles aggressiver und bleibt im Körper wie so viele andere Viren auch. Kaum in der Lage zu sitzen warnt mich der Chirurg am Ende der Behandlung, ich hätte ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko und sollte regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung. Es dauerte acht Monate, bis mein schwules Zentralorgan wieder schmerzfrei war. Ein Semester und sieben Kilo habe ich verloren.

Der Anfang vom Ende

Es ist Krebs, seit dem Frühling 2015 bin ich Tumorpatient. Mein Leben hat sich zunächst marginal, später radikal verändert. Ich schreibe diesen Blog zum Teil aktuell (ab 2022), zum Teil aus der Retrospektive. Es gibt Ereignisse, die muss man runterschreiben, um Struktur in die Krankengeschichte zu bringen. Für einen selbst und für andere. Das hier ist nix für schwache Nerven.

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